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Unter die Lupe genommen: der IC2 auf der Gäubahn

Meine Eindrücke vom InterCity 2

©Lucian Berndt/ Bahnnews Europa, 2017
©Lucian Berndt/ Bahnnews Europa, 2017

Seit dem Fahrplanwechsel am 10.12.2017 fährt auf der Gäubahn der IC2. Alle 2 Stunden von Stuttgart nach Singen und wieder zurück. Ich bin etwas mit ihm herumgefahren und schreibe hier meine Bemerkungen nieder:


12:35, Singen am Hohentwiel, Gleis 1. Es geht los, ich fahre ein weiteres Mal mit dem IC2. Diesmal um ihn euch näher vorzustellen. Und weil mein Vater etwas aus Spaichingen brauchte 😂.

Meine Fahrtzeit beträgt 35 Minuten. Zeit genug, um den IC2 näher zu betrachten.

In diesen Bericht fliessen Bilder und Erfahrungen von 3 vorherigen IC2-Fahrten ein. Ganz neu ist dieser Zug für mich also nicht.


Ansagen:


Direkt nach der Abfahrt begrüßte uns direkt die freundliche Stimme vom Band, was auch sehr gut zu verstehen war. Die Ansage war trotz des Lautstärkepegels gut hörbar. Eine Pluspunkt gegenüber so manchem Genuschel von manuell gesprochenen Ansagen - aber man vermisst leider das persönliche, was bei einer manuellen Ansage gegeben ist.

An Lautsprechern wurde nicht gespart. Über den gesamten Waggon, auch an den einstöckigen Wagenende waren die Ansagen klar und deutlich. Noch klangen die Lautsprecher auch in Tonhöhen etc gut. Die Ansagen der nächsten Halte wurden auch in Englisch abgespielt, was für einen Fernverkehrszug allerdings Standart sein sollte.


Insgesamt gut gemacht!


Bildschirme:


Im Oberdeck gibt es am Wagenende an der Treppe oben jeweils einen Bildschirm. Im Unterdeck sind es ebenfalls 2 Bildschirme.

Die Bildschirme bzw die dort abgebildeten Informationen gefallen mir sehr. Klar lesbar und in relativ dicker Schrift steht das wichtigste dort dran. Und das sogar trinational. In Französisch, Englisch und Deutsch stehen dort die weiteren Halte, die jeweilige Ankunftszeit und auch Informationen wie Zugnummer, Zuglauf und Uhrzeit. Sobald der Zug kurz vor dem nächsten Bahnhof ist, zeigt er ebenfalls in 3 Sprachen die Anschlusszüge an - inklusive Verspätung (zur Verständlichkeit: wenn Zug xyz um 10:00 Uhr am Bahnhof A ankommen soll und eine Verspätung von 5 Minuten hat, der IC2 um 10:04 am Bahnhof A ankommen soll und keine Verspätung hat, so wird trotzdem der Zug xyz mit angezeigt, obwohl er laut Plan schon weg ist). Desweiteren gibt es im Oberdeck ein weiteres Display, welches dasselbe anzeigt wie folgendes im Türbereich:

Im Türbereich gibt es jeweils ein breites Display, welches nächsten Halt + Ausstiegsseite bekannt gibt. Bei der Fahrt zeigt es abwechselnd Datum + Uhrzeit und das Zugziel sowie Informationen über den WC-Status und die Wagennummer im Zugverband. Auch dieses Band ist gut und von weitem zu lesen.


Auch hier gibt es keine Kritik! 

Die beiden Displays im Oberdeck | ©Lucian Berndt/ Bahnnews Europa, 2017
Die beiden Displays im Oberdeck | ©Lucian Berndt/ Bahnnews Europa, 2017
Einer der beiden 4:3 Bildschirme. Auch Busse werden in der Anschlussliste berücksichtigt | ©Lucian Berndt/Bahnnews Europa, 2017
Einer der beiden 4:3 Bildschirme. Auch Busse werden in der Anschlussliste berücksichtigt | ©Lucian Berndt/Bahnnews Europa, 2017


Service:


Im IC2 auf der Gäubahn wird sehr viel Service geboten. Darauf möchte ich hier nochmal eingehen:


WC/Toilette: In jedem der 4 Doppelstockwägen gibt es an einem Wagenende ein kleines WC, welches man schon von der vorherigen Doppelstockreihe kennt. Man braucht also sehr viel Pech dass alle WC's gleichzeitig kaputt/abgeschlossen sind. Desweiteren gibt es im Steuerwagen ein behindertengerechtes WC mit Wickelmöglichkeit. Dieses ist leicht mit Rollstuhl zu befahren und verfügt auch über genügend Haltestangen.

Das Rollstuhlgerechte Großraum-WC im IC2 | ©Lucian Berndt/ Bahnnews Europa, 2017
Das Rollstuhlgerechte Großraum-WC im IC2 | ©Lucian Berndt/ Bahnnews Europa, 2017

 

Snackservice: Neu im IC2 ist ein Getränke- und Snackverkäufer, welcher sogar nach jedem Halt angekündigt wird, dass er bald direkt am Platz vorbeikommt.

Auch heute kam er vorbei und verkaufte Kaffe, Tee, Cola, Wasser und andere Getränke, kleine Süßigkeiten, Gebäck und sonstiges Knabberzeug, was man eben auf einer längeren Fahrt braucht.

 

Kleinkindabteil: 2 Vierer (8 Plätze), sollen Reisende von Kleinkindern befreien. So kommt es zumindest rüber. In Wagen 1 (Steuerwagen) gibt es diesen einen deutlich gekennzeichneten und abgegrenzten Bereich, an den sich Eltern oder Großeltern mit ihren Kleinkindern zurückziehen können. Der Vorteil an diesem Bereich ist, dass es dort etwas mehr Stauraum gibt als woanders - aber dazu später - ausserdem sind die Tische in diesem Bereich mit Aufklebern bedruckt, die Kinder ansprechen soll.

Seperater Bereich für Kleinkinder | ©Lucian Berndt/Bahnnews Europa, 2017
Seperater Bereich für Kleinkinder | ©Lucian Berndt/Bahnnews Europa, 2017


Sitzplatzreservierung: Im IC2 kann man jeden Platz buchen, unabhängig von Nah- oder Fernverkehr. Beides geht in erster und zweiter Klasse. Allerdings ist mir bisher noch keine Reservierung in der 2. Klasse aufgefallen. Auf nun allen 4 Fahrten gab es in der 2. Klasse, soweit ich gesehen habe, keine Reservierungen. In der 1. Klasse hingegen schon. Um seinen Platz zu finden gibt es an der Gepäckablage oberhalb der Sitze Anzeigen, welche den reservierten Abschnitt anzeigen können mitsamt der daneben stehenden Platznummer. An den Sitzen gibt es jeweils noch kleine Täfelchen auf Gangseite, an denen nochmal die Sitznummern stehen - auch in Blindenschrift zum fühlen:

Sitzplatzreservierung im IC2 | ©Lucian Berndt/Bahnnews Europa, 2017
Sitzplatzreservierung im IC2 | ©Lucian Berndt/Bahnnews Europa, 2017


Behindertengerecht: Für Rollstuhlfahrer ist der Steuerwagen gedacht, welchen man stufenlos vom Bahnsteig erreicht - im Gegenteil zu den anderen Wagen - und falls der Höhenunterschied zu hoch sein sollte gibt es noch eine ausfahrbare Rollstuhlrampe. Unterhalb der Rampe, welche im eingeklappten Bereich nicht als solche zu sehen ist gibt es pro Tür einen Schiebetritt, welcher bis an den Bahnsteig ranfährt und somit ein in den Spalt fallen verhindert. Wie oben schon beschrieben, ist auch das WC im Steuerwagen behindertengerecht.

Stauraum für Gepäck: Gegenüber anderen Doppelstock-Generationen wurde beim IC2 sehr auf Stauraum geachtet. Dafür wurden allerdings Sitzplätze weggelassen. Ungefähr in der Mitte der Wägen wurden Regale eingebaut, in denen man zum Beispiel Koffer verstauen kann. Dies ist im Steuerwagen nicht so, da sich dort das Kleinkindabteil und das große WC befindet.
Ausserdem ist am Wagenende im Obergeschoss jeweil noch Ablagefläche an den Treppen zu finden, wie nachfolgend zu sehen:
Stauraum im IC2 | ©Lucian Berndt/Bahnnews Europa, 2017
Stauraum im IC2 | ©Lucian Berndt/Bahnnews Europa, 2017



Der Sitzplatz:


Nun zum wichtigsten im Zug: dem Sitzplatz.

Mir fällt grade gar kein Nachteil ein, muss ich ehrlich sagen. Was ich besonders toll finde, ist, dass man den Sitz verstellen kann. Zum einen nach vorne und hinten, also in eine Position in der man leichter relaxen bzw arbeiten kann, indem man an einem Hebel unterhalb des Sitzes zieht. Die Kopfstütze kann man ebenfalls nach oben verstellen. Daraus bin ich aber noch nicht ganz schlau geworden, da die Kopfstütze in der niedrigsten Position schon ausreichend groß genug ist. Naja wie dem auch sei, vielleicht kommt ja ein 2,30 m großer Mensch in den Zug.

An jedem Fensterplatz gibt es eine Steckdose sowie einen Mülleimer, was sehr plraktisch ist. Große Mülleimer gibt es desweiteres noch im Türbereich. Bei den Vierern ist der Mülleimer jeweils in den Tisch integriert.

Jeder Sitz hat 2 Armlehnen, welche sich nach Belieben ausklappen lassen.

Ausserdem gibt es eine ausklappbare Ablage für Essen, Smartphone, Tablett etc, welche sich am Sitz vor einem befindet. Auch das Fusspedal ist toll, falls einem mal die Füße einschlafen oder man die Beine etwas höher haben will als es die Bodenhöhe hergibt.

Insgesamt ist auch genug Beinfreiheit vorhanden - in beiden Klassen und auf allen Sitzen.


Insgesamt auch sehr schön gemacht von der Aufteilung und vom Design!

Sitzplatz im IC2 | ©Lucian Berndt/Bahnnews Europa, 2017
Sitzplatz im IC2 | ©Lucian Berndt/Bahnnews Europa, 2017



Meine Fahrt verlief absolut perfekt. Der IC2388 fuhr mit der Baureihe 146.5 wie alle anderen IC2. Wir starteten mit +0 und kamen mit +0 an. Was will man mehr? Genau: Einen Snack! Aber auch das war möglich, bereits kurz vor Engen kam der Snackverkäufer durch unseren Wagen geeilt. Als Fazit kann man sagen:


Ein toller Zug, welcher sehr attraktiv ist und auch auf diese Strecke passt, da hier sowieso nicht über 160 km/h gefahren werden darf. Das schöne daran ist, dass seit Fahrplanwechsel alle Züge zwischen Singen und Stuttgart für Reisende mit Nahverkehrskarten freigegeben ist! Weiter so!

©Lucian Berndt/Bahnnews Europa, 2017
©Lucian Berndt/Bahnnews Europa, 2017




Wie findet ihr den IC2? Fährt er bei euch und wenn ja, wie zuverlässig? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

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Kommentare: 3
  • #1

    t3b5 (Donnerstag, 28 Dezember 2017)

    Hi! Ja, der IC 2 fährt bei mir in Balin. Und ja, hier ist er auch, naja, zuverlässig. Letztens hatte IC 2431 auf seinem Weg nach Cotzbus (�) zwar +30, nichtsdestotrotz hat der Tf trotz Verbot der Lichthupe ein bisschen "geleuchtet". Bis denne, man sieht sich!

  • #2

    tommy (Dienstag, 16 Oktober 2018 16:22)

    Naja, das Gastroangebot soll für längere ( das ist mehr als 35 Min.) Fahrten ausreichen...? Dazu auf den meisten Strecken nur zeitweise z.B. Emden- Cottbus nur bis Magdeburg! V/max. auf längeren Strecken kann nicht als ausreichend betrachtet werden, oder..? Tut mir leid , aber für aufgehübschte DoStos IC Preise zu kassieren halte ich nicht für gerechtfertigt.
    Abzuwarten bleibt, wie es sich verhält wenn nach einigen Jahren kl. techn. Defekte ganze Züge lahmlegen ( Zulassung nur als fester Triebzug). Zu viel Technik, zu viele Störquellen.

  • #3

    Marcel (Freitag, 08 März 2019 18:55)

    Hm, bin jetzt ein gutes Dutzend Mal IC2 gefahren und leide sehr darunter. Am liebsten hätte ich den IC 1 zurück. Ich bin Pendler und nutze die fahrt überwiegend zum Schlafen. Genau das ist mir im IC2 leider noch nicht gelungen. Gründe: 1. Die Sitze. Abstand zu gering Sitzfläche zu kurz, Kopfstützen lassen nur eine Position zu, keine Neigungsverstellung. 2. Licht zu grell, man Sitz ja direkt unter der Leuchte. 3. Keine Trennung zum Einstiegsbereich. Im Winter jedesmal Zugluft wenn die Tür aufgeht. 4. Das unsägliche gefiepe der Türen.